Der „Nachbarschatz“-Treff ist für viele Eimsbüttler ihr zweites Zuhause

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Das "Mehrgenerationenhaus Nachbarschatz" in Eimsbüttel (Bilder:A.Eser-Ruperti)

Das "Mehrgenerationenhaus Nachbarschatz" in Eimsbüttel (Bilder: A.Eser-Ruperti)

So langsam wird es eng im „Mehrgenerationenhaus Nachbarschatz e.V“ in der Müggenkampstraße 30a. „Die 500 Quadratmeter, die wir haben, reichen nicht mehr aus, um all die Menschen unterzubringen, die uns hier regelmäßig besuchen“, sagt Dagmar Engels. Deshalb zieht das Mehrgenerationenhaus im nächsten Jahr in die Amandastraße um, führt Engels aus, die das Zentrum vor 22 Jahren gegründet hat.


Dagmar Engels, Gründerin und Leiterin des Mehrgenerationenhauses

Dagmar Engels, Gründerin und Leiterin des Mehrgenerationenhauses

„Ob’s stürmt oder schneit – Mütter wollen raus aus der Isolation“: mit diesem Motto fing das Mutterzentrum Hamburg-Eimsbüttel, das 1989 von Dagmar Engels und drei anderen jungen Müttern als Anlaufstelle für andere Mütter gegründet wurde, an. Engels wollte einen Ort schaffen, wo Mütter Entlastung finden und die Möglichkeit haben, sich mit anderen Frauen in ähnlichen Situationen auszutauschen. „Die Frauen wollten mehr, als nur die üblichen Windelgespräche führen. Wir wollten auch über Themen wie Familienpolitik diskutieren”, sagt Dagmar Engels.

In dem Kindergarten und der Krippe können Mütter ihre Kinder in die Obhut von Kindergärtnerinnen und freiwilligen Helfern geben. Die Kindergarten- und Krippengebühren werden über KiTa-Gutscheine finanziert. „Zurzeit haben wir sogar noch Plätze in unserer KiTa und dem Kindergarten frei“, sagt Annette Pankow.

In der offenen Kinderbetreuung können Mütter ihre Kinder auch mal spontan für ein paar Stunden unterbringen. „Die offene Betreuung kostet pro Stunde 1,50 Euro. Dafür müssen die Kinder im Kindergarten nicht permanent angemeldet sein“, erklärt die Gründerin das Prinzip. So können Mütter beispielsweise in Ruhe einkaufen oder sich mit anderen Müttern in der Caféstube treffen. „Der „Offenen Treff“ in der Caféstube ist das Herzstück unserer Einrichtung“, erklärt Engels.

Mit der Aufnahme des einstigen Mutterzentrums in das Aktionsprogramm „Mehrgenerationenhaus“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, erfolgte 2007 die Umbenennung in das „Mehrgenerationenhaus Nachbarschatz e.V“. Seitdem ist das Haus nicht mehr „nur“ Anlaufpunkt für junge Mütter und Familien aus allen Kulturen. „Wir legen verstärkt Wert auf das Miteinander von Jung und Alt, mit dem Ziel, dass man eine Idee von dem Leben anderer Generationen bekommt“, sagt Engels.


Die über achtzig jährige Elfie bastelt regelmäßig mit den Kindern im "Nachbarschatz"

Elfie bastelt regelmäßig mit den Kindern im "Nachbarschatz"

Ob die älteren Mitglieder den Kleinsten vorlesen oder mit ihnen basteln, Oberstufenschüler der „Generation 50+“ das Computerhandwerk beibringen oder sich die Menschen einfach Geschichten aus dem eigenen Leben erzählen – das Angebot ist groß.

Die Einrichtung Nachbarschatz soll für alle ein Ort sein, an dem man voneinander lernt und profitiert. „Bei uns stehen an vorderster Stelle die Worte Respekt und Interesse“, sagt Annette Pankow, Kindergärtnerin im Nachbarschatz. Damit sind der Respekt vor der Herkunft eines jeden Menschen und das Interesse an seiner Kultur und seinen Geschichten gemeint, erklärt sie.

Die Mitglieder und Angestellten des Mehrgenerationenhauses, die aus den verschiedensten Ländern wie dem Iran, Afghanistan oder Japan stammen, stellen sich gegenseitig im „Erzählcafé“ ihre Kultur vor.


Die Mitarbeiterinnen in der Küche kochen täglich für alle Kinder des Mehrgenerationenhauses

Die Mitarbeiterinnen in der Küche kochen täglich für alle Kinder des Mehrgenerationenhauses

Engels erzählt, dass auch sie über die Jahre viel über andere Kulturen gelernt habe. „Ich habe erst dadurch wirklich verstanden, was der Ramadan eigentlich ist und wie das funktioniert“, erklärt sie.

Das Engagement des „Nachbarschatzes“ hört an dieser Stelle jedoch noch nicht auf. Angeboten werden zum Beispiel auch eine integrative Krippe für gehörlose Kinder oder Kindern von gehörlosen Eltern, denen die Gebärdensprache beigebracht wird.

Für Familien in Notsituationen gibt es ein Kriseninterventionsprogramm. Es gibt aber auch Dienstleistungen, wie eine Schneiderei und einen Friseur, die den Menschen die Alltagsprobleme für wenig Geld erleichtern sollen. Jeder der möchte, kann seine eigenen Kurse anbieten und somit seine Talente und Fähigkeiten mit anderen teilen. Für viele Eimsbütteler ist das Mehrgenerationenhaus „zu einem zweiten Zuhause geworden“, sagt Dagmar Engels.


Der Verschenkbasar lockt viele verschiedene Menschen in das Mehrgenerationenhaus

Der Verschenkbasar lockt viele verschiedene Menschen in das Mehrgenerationenhaus

Besonders begehrt ist auch der sogenannte „Verschenkbasar“, der seit einem Jahr ungefähr alle zwei Monate stattfindet. Die Idee dahinter ist, dass jeder etwas mitbringt, was er nicht mehr braucht, an dem andere jedoch vielleicht noch Spaß haben könnten. Zu diesem Basar kommen nicht nur „Stamm“-Besucher, sondern auch Neugierige, die so die Einrichtung kennenlernen.

Um den vollgestopften Tisch in der Caféstube, auf dem alles von Kuscheltieren über Kleidung bis hin zu Büchern und Töpfe zu finden ist, stehen Menschen jeden Alters und Herkunft. Zwei Frauen beraten sich, welche Kleidung ihnen denn wohl passen könnte, ein Mann sitzt an einem Tisch und beobachtet das bunte Treiben. Elfie, die ihr Alter mit über 80 angibt, strickt nebenbei an einem Schal und überall wuseln Kinder mit kuchenverschmiertem Mund umher.

Petra Vergenz, ehrenamtliche Mitarbeiterin, hatte die Idee für diese Art von Basar. „Ich persönlich habe keine Lust, den ganzen Tag an Flohmarktständen zu stehen und zu feilschen, deshalb ist der Verschenkbasar eine gute Alternative“, erklärt Vergenz.

Der „Verschenkbasar“ soll auch nach dem Umzug in die Amandastraße weiterhin auf dem Programm stehen. Auch die anderen Angebote werden in dem neuen Haus Platz finden, sagt die Gründerin Dagmar Engels. Viele Besucher des Mehrgenerationenhaus hoffen, dass die Atmosphäre dieser Einrichtung auch in den neuen Räumen in der Schanze erhalten bleibt.


Antonia Eser-Ruperti

Weitere Informationen über das „Mehrgenerationenhaus Nachbarschatz e.V“ finden Sie auf der Webseite

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