Hoheluftchaussee: „Gute Seite, schlechte Seite“

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Auf der linken Seite der Hohenluftchaussee stadtauswärts stehen viele Ladenflächen leer (Bilder: A. Eser-Ruperti)

Auf der linken Seite der Hohenluftchaussee stadtauswärts stehen viele Ladenflächen leer (Bilder: A. Eser-Ruperti)

Hoheluftchaussee – eine Straße, zwei Gesichter, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während sich auf der einen Straßenseite die Kunden drängen und ein gut laufendes Geschäft an das nächste reiht, gehen gegenüber mehr und mehr die Lichter aus. In vielen Fenstern hängen Schilder mit dem Hinweis: „zu verkaufen“ oder „zu vermieten“. Die „gute Seite“ ist rechts – stadtauswärts gesehen. Die linke Seite wirkt dagegen oft wie ausgestorben. Aktuell stehen hier 14 Geschäfte leer, teilweise sind es gleich drei oder vier nebeneinander. Eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Monaten und Jahren verstärkt hat.

Die Gründe, warum sich die beiden Seiten der Hoheluftchaussee derzeit so unterschiedlich entwickeln, scheinen vielfältig: Mietenentwicklung, Größe der Ladenflächen, Sanierungsbedarf oder Branchenmix werden oft genannt. Das Abendblatt hat beim Einzelhandelsbverband, bei Geschäftsleuten, Kunden, Maklern und dem zuständigen Bezirksamt nachgefragt:


Das Schild eines Reformhauses ist verblichen, die angrenzende Ladenfläche steht ebenfalls leer

Das Schild eines Reformhauses ist verblichen, die angrenzende Ladenfläche steht ebenfalls leer

Wolfgang Linnekogel (62) ist Geschäftsführer der Fachverbände des Hamburger Einzelhandels e.V. Er schätzt die Situation an der Hoheluftchaussee als sehr problematisch ein: „Der Ladenleerstand ist Gift für den Einzelhandel. Das ist wie eine Krebserkrankung, die sich immer weiter ausbreitet. Ein Laden infiziert sich beim anderen. Wenn solch eine Situation entsteht, ist das sehr gefährlich für eine Straße.“ Trotzdem gibt es Hoffnung für die Hoheluftchaussee. Linnekogel: „Das Rückgrat der Hoheluftchaussee ist noch nicht vollständig gebrochen. Sie ist aber leider nur mittelprächtig entwickelt. Man könnte mehr aus ihr machen“, sagt er.

Als wesentliches Problem sieht der Verband die Entwicklung der Mietpreise. „Wenn der Vertrag ausläuft, verlängern die Vermieter oft nicht, weil sie glauben, einen besseren Preis erzielen zu können“, fügt Linnekogel hinzu.

Margaret Schierloh vom „Lichthaus Friedrich Hass“ ist Einzelhändlerin auf der linken Seite der Hoheluftchaussee: „Als ich hier vor 42 Jahren begonnen habe, war es genau andersrum“, sagt sie. „Diese Seite war besonders beliebt und die andere nicht.“ Auch sie vermutet, dass es etwas mit den steigenden Mieten zu tun hat. „Für meinen Laden ist die Situation jedenfalls inzwischen problematisch“, sagt sie.


Auf der gegenüberliegenden Seite sucht man vergeblich nach leerstehenden Flächen

Auf der gegenüberliegenden Seite sucht man vergeblich nach leerstehenden Flächen

Beispiel Hoheluftchaussee 41: Das Gebäude auf der linken Seite steht seit Oktober leer. „Was die Wohnflächen betrifft, können wir uns nicht beschweren, das Interesse ist groß. Für die Gewerbeflächen hingegen ist die Nachfrage gering“, sagt eine Mitarbeiterin von Marion Gustafsen e.K Immobilienverwaltung. „Vermutlich schrecken potenzielle Mieter vor den leeren, nicht dekorierten Flächen zurück und gehen direkt auf die andere Seite. Außerdem gibt es gerade auf der linken Seite besonders viele kleinere Ladenflächen“, mutmaßt sie. Für das 50-Quadratmeter-Geschäft in dem Gebäude beträgt die Miete 1020 Euro.


Das Bezirksamt Eimsbüttel liefert eine andere Erklärung: „Auf der rechten Straßenseite haben die Eigentümer in den vergangenen Jahren umfangreich saniert, was für dort ansässige sowie auch für potenzielle Geschäftsinhaber natürlich durchaus attraktiv wirken kann“, sagt Aileen Röpcke, Sprecherin des Bezirksamts. Diese Renovierungen seien auf der linken Seite in diesem Ausmaß nicht erfolgt, sie wären aber Sache der Eigentümer, so Röpcke weiter.

Wolfgang Linnekogel vom Einzelhandelsverband bekräftigt diese Aussage: „Aus dem aktuellen Überangebot an freien Flächen auf der linken Seite der Hoheluftchaussee entwickelt sich ein Teufelskreis. Veralten die Läden optisch und sehen heruntergekommen aus, führt das ganz schnell dazu, dass viele Kunden sich für die modernen, gut erhaltenen Läden entscheiden und sind weg.“

Inzwischen befürchten mehrere Ladenbesitzer auf der linken Seite der Hoheluftchaussee sogar den Abriss einiger älterer Häuser: „Es gibt entsprechende Gerüchte. Hoffentlich passiert das nicht“, sagt die Inhaberin des Modegeschäftes „Stattmitte“, die nicht namentlich genannt werden möchte. Sie meint, dass die Eigentümer der leerstehenden Läden deshalb nur noch befristete Mietverträge vergeben würden. Im Bezirksamt Eimsbüttel ist von einem geplanten Abriss allerdings nichts bekannt.


Die modernen Läden und großen Glassfassaden ziehen viele Kunden an

Die modernen Läden und großen Glassfassaden ziehen viele Kunden an

Auch M.I.C Immobilien, die für die Gebäude Hoheluftchaussee 55 bis 61 auf der linken Seite der Hoheluftchaussee zuständig sind, widersprechen in diesem Punkt: „Der Eigentümer des Gebäudes will auf keinen Fall abreißen und auch nicht an Investoren verkaufen.“ Die Flächen stünden erst seit kurzer Zeit leer, die Nachfrage sei groß, heißt es. Und Victor Woehe, Inhaber von M.I.C Immobilien, fügt noch hinzu: „Die Mietverträge sind unbefristet“. Für die Ladenfläche im Haus 55 liegt der Preis bei 1600 Euro pro Monat.

Victor Woehe sieht vielmehr in der Parkplatzsituation den Hauptgrund für die unterschiedliche Entwicklung: „Auf der rechten Seite gibt es viele Parkbuchten, die das Einkaufen erleichtern. Kunden können hier direkt an die Läden heranfahren und ihre Autos schnell beladen, das ist auf der anderen Straßenseite ein Problem.“ Dort ist es zum Beispiel nur sonnabends gestattet, in der zweiten Reihe zu halten.

Ein weiteres Problem: für viele der kleinen Einzelhändler der linken Seite scheint es gegenüber ein größeres Äquivalent zu geben. „Das Reformhaus auf dieser Seite musste meines Wissens nach schließen, weil es nicht mit dem großen ‚Alnatura‘-Laden konkurrieren konnte. Ich glaube auch, dass Schlecker hier geschlossen hat, weil Budnikowsky auf der anderen Seite einfach größer ist“, so die Inhaberin von „Stattmitte“.

Viele Kunden sehen die Ursache vor allem im Branchenmix: „Auf der rechten Straßenseite sind viele große Läden. Es gibt alles, was man braucht. Budni und Edeka sind nebeneinander, das ist einfach praktisch“, sagt Leonie P. (20). Michaela Müller (37), Mitarbeiterin bei „Hess Schuhe“ sieht das ähnlich: „Auf unserer Straßenseite ist das Angebot größer. Für die Ladenbesitzer gegenüber ist das natürlich sehr schwierig“, sagt sie. Kundin Petra Seele (68) meint: „Ich nutze zwar auch die linke Seite und kaufe dort in einem kleinen Haushaltswarenladen, weil der günstiger ist als die Geschäfte gegenüber. Trotzdem ist die linke Seite eine Katastrophe. Dagegen müsste unbedingt etwas unternommen werden.“

Antonia Eser-Ruperti

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