Klohäuschen an der Kersten-Miles-Brücke aufgestellt

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Ganz zufrieden sind die Obdachlösen mit der Klo-Lösung nicht (Bild: M. Brinckmann)

Ganz zufrieden sind die Obdachlösen mit der Klo-Lösung nicht (Bild: M. Brinckmann)

Aus hellem Holz ist es gezimmert, hat nach vorne hin zwei Türen und nach links und rechts je ein Fenster: das neue Klohäuschen an der Kersten-Miles-Brücke. Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) hat es bereits am Freitag aufstellen lassen. Kostenpunkt laut „Bild“-Zeitung: 20 000 Euro.


Krümel und Paule sind zwei der unter der Brücke lebenden Obdachlosen. Die 22-Jährige und ihr acht Jahre älterer Kumpel beäugen die Hütte kritisch. „Von außen sieht sie ja hübsch aus“, sagt Krümel. „Aber von innen ist das Ganze eine Verarsche.“ Krümel öffnet die beiden Türen: Zu sehen sind zwei winzige Räume, in dem rechten ein Pissoir, in dem linken ein Plumpsklo. Von den Decken leuchtet schwaches Licht, angeschaltet per Bewegungsmelder. Ein Toilettenpapierspender hängt an der Wand. „Ein Waschbecken gibt’s aber nicht“, sagt Paule. „Und auch keine Spülung – der strenge Kloakegeruch hier kommt nicht von ungefähr.“ Deshalb haben die Obdachlosen sich Eimer bereitgestellt, die sie mit Wasser aus der Elbe füllen. Begeistert sind sie von dem neuen WC nicht: „Dieses Klo ist zwar besser als keines. Aber wir hätten uns eine hygienischere Lösung gewünscht.“


Über den Umgang mit den Obdachlosen von der Kersten-Miles-Brücke wurde zuletzt viel gestritten: Das Bezirksamt Mitte hatte im September einen Zaun aufstellen lassen, um sie zu vertreiben – angeblich, weil Passanten sich belästigt fühlten. Nach Protesten kam der Zaun wieder weg. Politiker, Sozialverbände und Obdachloseneinrichtungen setzten sich daraufhin zusammen, um über die Situation zu beraten.


Wer sich nun wie um das Klohäuschen kümmern soll, ist nach Auskunft der Obdachlosen unklar: „Mit uns hat niemand gesprochen, und einen Schlüssel haben wir auch nicht bekommen.“ Die BSU war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. (cb)

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