Schule Rellinger Straße: Container sollen voraussichtlich zehn Jahre bleiben

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Wenn der Schulentwicklungsplan 2012 umgesetzt wird, sollen zu den vier mobilen Klassenräume im Schulhof zwei weitere dazukommen (Bilder: S. Simic)

Wenn der Schulentwicklungsplan 2012 umgesetzt wird, sollen zu den vier mobilen Klassenräume im Schulhof zwei weitere dazukommen (Bilder: S. Simic)

Elternrat und Schulleiterin protestieren: Die Schüler der vierten bis sechsten Klasse der Eimsbütteler Grundschule Rellinger Straße sollen in den nächsten zehn Jahren weiter in Containern unterrichtet werden. Das geht aus dem Schulentwicklungsplan 2012, der Ende Oktober vorgestellt wurde, hervor.

Zurzeit stehen vier mobile Klassenräume auf dem Pausenhof der „Relli“ – insgesamt sollen es sechs werden. Ein Erweiterungsbau der 100 Jahre alten Schule ist nicht vorgesehen. Der Elternrat zieht daraus den Schluss, dass die „Schulbehörde entgegen aller früheren Versicherungen plötzlich keinen größeren Raumbedarf an der Grundschule Rellinger Straße mehr sieht“.

„Die Kinder haben in den Containern wenig Platz, der Eingangsbereich ist nur sechs Quadratmeter groß“, sagt Tanja Pott, erste Vorsitzende des Elternrates der Schule Rellinger Straße. „Darüber hinaus sind die Räume fußkalt, was im Winter besonders ärgerlich ist.“ Am meisten störe sie der psychologische Faktor: Die Kinder müssen den Pausenhof überqueren um zu dem Hauptschulgebäude zu gelangen, dadurch gehe das „Schulgefühl“ verloren. „In meinen Augen sollte ein Container immer ein Provisorium bleiben“, sagt Schulleiterin Petra Stumpf. „Dafür sind mir zehn Jahre einfach zu viel. Der Raum, in dem die Kinder unterrichtet werden, ist schließlich auch entscheidend für ihren Lernerfolg.“


Das 100 Jahre alte Gebäude der Schule Rellinger Straße wird voraussichtlich nicht vergrößert

Das 100 Jahre alte Gebäude der Schule Rellinger Straße wird voraussichtlich nicht vergrößert

Zurzeit werden an der Schule Rellinger Straße 374 Kinder unterrichtet. Die Unterbringung in Containern ist nötig, weil die Zahl der Schüleranmeldungen in den vergangenen Jahren konstant gestiegen ist. „Die Schule könnte sogar vierzügig geführt werden, weil sie so stark angewählt wird“, sagt Pott. 2008 gab es 83 Anmeldungen zur ersten Klasse, dieses Jahr waren es 97. Die Gesamtzahl der Schüler in den vergangenen fünf Jahren hat sich mehr als verdoppelt. 20 Schüler müssen jährlich abgelehnt werden. „Der Raumbedarf ist definitiv da“, so Pott.

Die Schule Rellinger Straße nimmt seit diesem Jahr mit drei weiteren Hamburger Grundschulen am Schulversuch „sechsjähriges gemeinsames Lernen“ teil, der auf die Dauer von mindestens zehn Jahren ausgelegt ist. Neben den Schülern der Jahrgangsstufen 1 bis 4, werden demzufolge auch Schüler der Jahrgangsstufen 5 und 6 unterrichtet. Da die Schule Rellinger Straße zu den „Starterschulen“ gehört, die schon vor anderthalb Jahren mit der Einführung der fünften und sechsten Jahrgangsstufe begonnen hatten, werden schon heute Kinder in diesen Jahrgangsstufen unterrichtet.


Der Weg von den Containern bis zum Hauptschulgebäude ist für die Kinder weit, meint die erste Vorsitzende des Elternrates Tanja Pott

Der Weg von den Containern bis zum Hauptschulgebäude ist für die Kinder weit, meint die erste Vorsitzende des Elternrates Tanja Pott

Die vier mobilen Klassenräume, die in den letzten beiden Jahren im Pausenhof aufgestellt wurden, waren ursprünglich als Zwischenlösung gedacht – bis zu einem Erweiterungsbau der Schule. „Die Errichtung eines Neubaus wäre aufgrund der konstant steigenden Schülerzahlen sicherlich kein schlecht investiertes Geld“, meint Pott. Sollte der Schulversuch „sechsjähriges gemeinsames Lernen“ im Jahr 2021 auslaufen, könnten die neu errichteten Räume von zusätzlichen Klassen genutzt werden. Es sei vorstellbar, dass dann nicht mehr drei sondern vier Klassen pro Jahrgang unterrichtet werden können, so Pott. Der Schulentwicklungsplan sieht allerdings vor, die Zahl der Schulklassen für die Jahrgangsstufen 5 und 6 bei zwei zu belassen. Für die Jahrgangsstufen 1 bis 4 soll die Dreizügigkeit bestehen bleiben.

„Der von uns vorgelegte Schulentwicklungsplan 2012 ist ein Entwurf, das heißt er beschreibt die Vorschläge der Schulbehörde zu jedem Standort“, erklärt Peter Albrecht, Sprecher der Behörde für Schule und Berufsausbildung Hamburg. Bis zum 1. Februar 2012 können die Schulen, Bezirke sowie Eltern-, Lehrer- und Schülerkammern zu den Vorschlägen Stellung beziehen. „Erfahrungsgemäß gibt es zwischen Entwurfs- und Beschlussfassung noch etliche Änderungen, das war bei den Schulentwicklungsplänen von 2005 und 2010 nicht anders“, sagt Albrecht.

Ein Erweiterungsbau der Schule Rellinger Straße sei nicht von vornherein im Schulentwicklungsplan vorgesehen, da aufgrund der Budgetbegrenzungen nicht alle wünschenswerten Bauten sofort berücksichtigt werden könnten, so Albrecht. Selbst wenn der Plan für die Schule Rellinger Straße so beschlossen werden sollte, bedeute dies keine Festlegung für eine bestimmte Anzahl von Jahren. Änderungen könnten im Einzelfall auch später vorgenommen werden, zum Beispiel wenn die Anmeldezahlen für die ersten und fünften Klassen weiter steigen würden, oder die Schule zu einer Ganztagsschule ausgebaut werden sollte.

Neben den geplanten Containern bedauern Elternrat und Schulleitung ebenfalls die Tatsache, dass der Schulversuch „sechsjähriges gemeinsames Lernen“ an der Schule Rellinger Straße nicht wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden soll. „Damit ist eine der Voraussetzungen, unter denen dieser Schulversuch bewilligt wurde, nicht erfüllt“, erklärt Pott. Der Senat verweigere somit dem Schulversuch die Rückendeckung. „In den Augen des Elternrates lässt die Stadt Hamburg an dieser Stelle die wertvolle Chance verstreichen, Fragen zum Schulsystem und zum längeren gemeinsamen Lernen in der Praxis und wissenschaftlich überprüft zu beantworten“, so Pott. „Der Schulversuch verläuft bei uns sehr gut – es macht absolut Sinn was wir tun“, sagt Schulleiterin Petra Stumpf. Umso wichtiger sei es, den Versuch auch wissenschaftlich zu begleiten und den Erfolg so zu untermauern. Am 16. November wollen Elternrat und Schulleitung dem Ausschuss für Bildung, Integration und Sport des Bezirksamtes Eimsbüttel ihre Bedenken mitteilen.


Sanja Simic

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